Und Schwups bin ich wieder eine Marathon-Erfahrung reicher.
Ich ging voller Zuversicht und gut vorbereitet in das Rennen. Die Freude, wieder an der Startlinie zu stehen, war riesig. Wir waren gut organisiert und bereit. Der Plan war, defensiv anzulaufen und dann eventuell auf der zweiten Streckenhälfte schneller zu werden. Schon früh im Rennen war der Effort etwas zu hoch und es war nicht so der Flow, den ich gerne gehabt hätte. Meine zwei Pacemaker haben einen super Job gemacht und ich konnte mich schön dahinter verstecken. Ich habe mich von einer Verpflegungsstelle zur nächsten gehangelt und versucht im Moment zu sein. Viele Freunde und Familie auf der Strecke haben mir immer wieder ein Lachen ins Gesicht gezaubert.
Das Rennen blieb zäh bis zum Schluss und ich habe den Flow nie richtig gefunden. Dank einem Schlussspurt konnte ich 200m vor dem Ziel noch eine Läuferin überholen und beendete das Rennen auf Rang 2 in 2:31:15 Std.
Foto: Florian Legrand
Die Reha nach der Sehnen-Operation ist sehr gut und ohne Probleme verlaufen. In den Trainingslagern im Januar in Südafrika und im Februar in Santa Pola konnte ich den Laufumfang stetig steigern und bereits einige gute Einheiten absolvieren. Natürlich merke ich noch etwas Trainingsrückstand, aber die Form kommt langsam zurück und das Wichtigste ist, dass ich schmerzfrei trainieren kann.
Die 10 Km de Payerne waren dieses Jahr ein spezielles Rennen für mich.
Ich verbinde viele schöne Erlebnisse mit diesem Event und dieses Jahr durfte ich nur 4 Monate nach meiner Operation wieder am Start eines Wettkampfes stehen. Mit einer Zeit von 33:09 min klassierte ich mich auf Rang 3. Doch viel wichtiger war, dass ich ein gutes Laufgefühl und jede Menge Spass hatte.
Es gibt schlechte Neuigkeiten. Beim Murtenlauf habe ich mir eine Sehne gerissen und musste operiert werden. Mein grosses Ziel dieses Jahr, den New York Marathon von Anfang November, musste ich absagen.
Es tut weh. Ich hatte bisher die perfekte Marathonvorbereitung, habe super trainiert und war in Topform. Die Vorfreude auf New York war riesengross und ich war zuversichtlich, dort etwas Grosses erreichen zu können. In den letzten Wochen habe ich mit dem Sarnerseelauf, Greifenseelauf und Murtenlauf drei Vorbereitungswettkämpfe bestritten. Alle drei konnte ich gewinnen, habe das Heimpublikum genossen und war rundum zufrieden. Doch beim Murtenlauf bin ich mit Schmerzen gelaufen und wusste im Ziel sofort, dass etwas nicht gut ist. Trotzdem habe ich mich vom Publikum feiern lassen und versucht mir nichts anmerken zu lassen. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Sehne gerissen ist. Fragt mich nicht, wie ich so das Rennen noch beenden konnte. :)
Ich wurde bereits operiert und meine Sehne wieder zusammen geflickt. Die Reha braucht eine grosse Portion Geduld und Zeit. Ich habe noch Ziele und kämpfe mich auf jeden Fall zurück.
In den letzten Monaten wurde ich von einer Fuss- und einer hartnäckigen Knieverletzung ausgebremst. Anstatt Laufkilometer zu sammeln habe ich viele Stunden mit Alternativtraining verbracht. Beim GP Bern musste ich schweren Herzens noch zuschauen, umso grösser war die Freude beim Frauenlauf in Bern an der Startlinie zu stehen. 12'000 Frauen nahmen in Bern die Strecke von 5km unter die Füsse. Nach einem langsamen Start wurde das Tempo erhöht und es wurde ein Vierkampf um den Tagessieg. Am Ende gab es Rang drei für mich, damit bin ich total zufrieden. Die Stimmung war einmal mehr sensationell, ich habe mich gut gefühlt und nehme eine grosse Portion Motivation mit ins Training.
Seit Anfang Jahr kämpfte ich immer wieder mit kleinen Knieproblemen. Es war ein ständiges Auf und Ab, deshalb war die Form bei der Rückkehr nach New York etwas ungewiss. Die Rückkehr in eine Stadt, in der ich im November beim Marathon einen starken 5. Rang und einer meiner grössten Erfolge feiern konnte.
Der Halbmarathon startete sehr schnell. Ich lief zu Beginn mit, musste dann aber auf der zweiten Streckenhälfte die Spitze ziehen lassen und lief ab da in einer Dreiergruppe. Nach 1:11.35 Std belegte ich Rang 15 in einem hochklassigen Feld. Damit war ich rund eine Minute schneller als vor einem Jahr und entsprechend zufrieden. Das wichtigste ist, dass ich während dem Rennen schmerzfrei war und jede Menge Spass hatte. Durch die Strassen New Yorks zu laufen ist einfach etwas Spezielles.
Mit dem Start des prestigeträchtigen New York Marathons habe ich mir einen Traum erfüllt. Über 53'000 Läuferinnen und Läufer machten sich auf den Weg die 42.196km quer durch alle 5 Stadtbezirke in New York zu bewältigen. Die Strecke führt über fünf Brücken und ist mit einigen Höhenmetern sehr anspruchsvoll. Die Elite Frauen starteten 30 Minuten vor den Männern. Wir starteten ziemlich langsam und das Feld blieb lange zusammen. Erst ab Streckenhälfte wurde die Gruppe langsam kleiner. Bei Kilometer 30 waren wir noch eine 10 köpfige Spitzengruppe und ich fühlte mich noch richtig gut. Auf den letzten 10 Kilometern wurde dann die Gruppe definitiv gesprengt und das Tempo deutlich erhöht. Ich konnte der Spitze nicht mehr ganz folgen aber ebenfalls noch etwas zusetzen. Kurz vor dem Ziel konnte ich noch eine Läuferin überholen und als sensationelle Fünfte im Central Park ins Ziel einlaufen. Top fünf beim berühmtesten und grössten Marathon der Welt hätte ich mir nicht erträumen können.
Zwischen den Olympischen Spielen und dem New York Marathon bestreite ich zwei Rennen in der Schweiz als Vorbereitung. Der Greifenseelauf ist quasi mein Heimrennen und ich kenne die Strecke sehr gut. Meine Beine waren vom Marathontraining nicht ganz frisch und ich musste nach 5km eine Gegnerin ziehen lassen. Den Rest des Feldes hatte ich im Griff und konnte in Uster vor vielen bekannten Gesichtern nach 1:13.21 Std. als Zweite ins Ziel einlaufen.
Zwei Wochen später stand ich beim Murtenlauf an der Startlinie.
Bei der 90. Austragung von Murten - Fribourg standen 17.17km mit vielen Höhenmetern auf dem Programm. Trotz umfangreichem Training hatte ich dieses Mal gute Beine und konnte das Rennen ganz vorne mitgestalten. Am Ende musste ich mich nur einer Kenianierin geschlagen geben. Mit 58:50min blieb ich auf der anspruchsvollen Strecke unter einer Stunde und lief die drittschnellste Zeit einer Frau jemals an diesem traditionsreichen Lauf.
Der 11. August war schon lange fett in meiner Agenda markiert. Auf diesen Tag war das Training in den vergangenen Monaten ausgerichtet. Ich hatte eine perfekte Vorbereitung und war in der besten Marathonform, in der ich je war. Das ist natürlich keine Garantie für einen erfolgreichen Wettkampf, aber ich ging mit viel Selbstvertrauen an den Start.
Am Wettkampftag fiel dann pünktlich um 8.00 Uhr endlich der Startschuss und ich wurde zusammen mit über 80 Läuferinnen auf die mit über 400 Höhenmetern recht anspruchsvolle Strecke geschickt. Auf den ersten paar Kilometern lief ich in der Spitzengruppe mit, fühlte mich gut aber nicht bombastisch. Nach 10 Kilometern lag ich noch auf dem 46. Rang und liess die Spitzengruppe etwas ziehen. Ich fand dann meinen Rhythmus, lief mein Tempo und fühlte mich immer besser. Auch die bergauf- und bergabpassagen gelangen mir gut und ich konnte Läuferin um Läuferin überholen.
Das Publikum an der Strecke war der absolute Wahnsinn und das hat mir richtig viel Energie gegeben. Mir gelang ein richtiger Steigerungslauf und der Zieleinlauf auf dem blauen Teppich war ein sehr spezieller Moment. Erst da habe ich gesehen, dass ich das Rennen auf dem 16. Rang beendet habe.
Das war wohl eines der besten Rennen meiner Karriere. Dass mir das im wichtigsten Rennen gelang macht mich überglücklich. Ein GROSSES DANKE geht an mein ganzes Team, Familie, Sponsoren, Freunde, … im Hintergrund, die mich täglich unterstützen, damit ich meinen Traum leben darf. Ihr seid die Besten!
Bei hohen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein fanden in Rom die Leichtathletik Europameisterschaften statt. Nach einem guten Trainingsblock in St. Moritz stand ich über die Halbmarathondistanz an der Startlinie. Das Rennen wurde schnell gestartet und ich lief bis Rennhälfte in der Spitzengruppe mit, die immer kleiner wurde. Eine Tempoverschärfung an der Spitze konnte ich dann nicht mehr mitmachen und es bildeten sich zwei kleinere Gruppen. Ich konnte mein Rennen bis zum Schluss durchziehen und um die vordersten Plätze mitkämpfen. Im Ziel nach 1:10.01 Std. gab es den starken 7. Rang. Damit bin ich sehr zufrieden. Nun geht es für mich weiter in der Marathonvorbereitung für die Olympischen Spiele in Paris. Die offizielle Selektion ist in der vergangenen Woche erfolgt und der Teilnahme an den dritten Olympischen Spielen steht nichts mehr im Weg.
Zum ersten Mal stand ich am Start der 10 Meilen beim GP Bern. Es präsentierten sich gute Laufbedingungen und eine sensationelle Stimmung am Strassenrand. Die Vorfreude war riesengross, denn Rennen vor Heimpublikum sind immer etwas ganz Spezielles. Ich bin direkt aus dem Trainingslager in St. Moritz angereist und wusste nicht genau, wie erholt meine Beine sein werden. Ich fühlte mich dann aber gut und schon nach wenigen Kilometern übernahm ich die Führung. Diese gab ich bis ins Ziel nicht mehr ab. Erster Start und gleich der erste Sieg, es war unglaublich toll! Die Stimmung war der absolute Wahnsinn und das Publikum hat mich richtig getragen. Danke Bern! Besser hätte es nicht laufen können.
Nach guten Trainingswochen reiste ich zuversichtlich nach Berlin um die 21.0975km erfolgreich zu absolvieren. Bevor die Vorbereitung auf den Marathon an den Olympischen Spielen von Paris beginnt, wollte ich nochmals über die halbe Distanz eine schnelle Zeit erreichen. Die Bedingungen waren dann leider mit über 20 Grad und wind nicht optimal. Leider erwischte ich auch abgesehen von den äusseren Bedingungen einen schlechten Tag. Schon nach 5 Km waren meine Beine müde und nach 10 Km wurde es zum Kampf. Bei der 15km Marke waren dann Kopf und Beine definitiv leer und ich bin ausgestiegen. Das erste Mal in meiner Karriere habe ich ein Rennen aufgegeben und die Enttäuschung im ersten Moment war riesig.
Nun gilt es sich davon zu erholen und sich auf die beiden grossen Meisterschaften in diesem Jahr zu konzentrieren. Mit der EM in Rom und den Olympischen Spielen in Paris stehen zwei grosse Highlights auf dem Plan.
10 Wochen nach meinem Schweizer Rekord beim Berlin Marathon stand ich in Valencia wieder am Start über 42,195km. Perfekte Bedingungen, eine schnelle Strecke, zahlreiche starke Gegnerinnen und eine gute Ausgangslage liessen mich auf eine neue Bestzeit hoffen. Bis 30km lief es perfekt und ich war genau im Zeitplan. Die letzten 12km wurden hart und die Beine schwer. Nach 2:24.30 Std. erreichte ich das Ziel und unterbot meinen Schweizer Rekord um knapp 1 Minute.
Nun gönne ich mir eine ausgiebige Pause um mich dann voll erholt und motiviert für die EM im Juni 2024 in Rom und die Olympischen Spiele im August 2024 in Paris vorzubereiten.