Mein Leben als Läuferin

Schweizermeisterschaft Steeple

Nachdem bei meinem ersten Rennen über die Hindernisse technisch noch wenig stimmte, wollte ich es an den an den Schweizermeisterschaften in Uster unbedingt besser machen und erstmals die WM-Limite angreifen. Entgegen aller Wetterprognosen waren die Bedingungen ganz gut, etwas kalt war es schon, dafür trocken und windstill. Regelmässig wie ein Uhrwerk lief ich die 7 ½ Runden und auch die Technik stimmte. In 9:40,36 min unterbot ich die WM-Limite im ersten Anlauf im Alleingang! Ich bin richtig erleichtert, dass technisch wieder vieles stimmte und ich die Limite für London abgehackt habe. Jetzt kann ich mich in Ruhe und ohne Druck auf die kommenden Wettkämpfe vorbereiten, damit ich dann Mitte August in London topfit am Start stehen werde. 

Int. Läufermeeting Pliezhausen

Traditionell startete ich meine Steeple-Saison beim internationalen Läufermeeting in Pliezhausen. Über die Distanz von 2000 m bietet sich die Gelegenheit, das Gelernte aus dem Training im Wettkampf zu testen. Von Beginn weg übernahm ich die Spitze und gab diese trotz hartnäckiger Konkurrenz nicht mehr ab. Die Zeit von 6:20,33 min bedeutet nicht nur neue persönliche Bestzeit, sondern auch Schweizer Allzeit-Bestleistung und Rang 21 in der Europa-All-Time-Bestenliste. Mein Fazit nach dem Rennen: läuferisch Top, technisch noch viel Verbesserungspotential.

Die nächste Gelegenheit bietet sich schon am kommenden Freitag in Uster um 19.35 Uhr anlässlich der Schweizermeisterschaft.

Frühjahrsmeeting Düdingen

In Düdingen trat ich zum ersten Mal in diesem Jahr auf der Bahn an und wollte über 5000m eine schnelle Zeit laufen. Bei tiefen Temperaturen, Regen, Wind und 40-minütiger Verspätung sagte wenige Stunden vor dem Start auch noch meine Pacemakerin ab. Damit waren die ganz schnellen Zeiten leider nicht mehr möglich. Doch die Bedingungen können nicht immer perfekt sein und ich versuchte, das Beste daraus zu machen. So zog ich einsam an der Spitze meine Runden und erreichte mit 15:47.94 min sogar eine neue Bestzeit. Unter diesen Umständen bin ich mit dem Resultat ganz zufrieden, bin aber definitiv Hungrig auf mehr. 

Trainingslager Tenero

Vom südafrikanischen Herbst reiste ich nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause weiter in den tessiner Frühling. Wie jedes Jahr verbrachte ich im Centro Sportivo in Tenero zwei Wochen zusammen mit den besten schweizer Mittel- und Langstrecklern. Die ersten paar Tage liess ich bewusst noch etwas ruhiger angehen, um mich von der Höhe und den drei anstrengenden Trainingswochen in Dullstroom zu erholen. Nachdem ich mich die ersten paar Tage noch etwas müde gefühlt habe, konnte ich mich auch dank den super Erholungsmassnahmen im Centro Sportivo, den Physios und dem Masseur, gut erholen und einige sehr gute Trainingseinheiten absolvieren. Der Countdown zum Saisonstart läuft und am 6. Mai stehe ich in Düdingen über 5000 m zum ersten Mal in diesem Jahr an der Startlinie auf der Tartanbahn. 

Trainingslager Dullstroom

Nur drei Tage nach dem Halbmarathon in Den Haag packte ich meine Koffer und reiste zusammen mit einer Trainingsgruppe aus Hamburg für drei Wochen nach Dullstroom (Südafrika) ins Höhentrainingslager. Das erste Mal schloss ich mich einer „fremden“ Trainingsgruppe an und sammelte die ersten Erfahrungen mit Training in der Höhe. Mit Maya Rehberg, Jana Sussmann und ASICS Frontrunnerin Tabea Themann waren drei Läuferinnen auf meinem Niveau dabei und wir konnten gegenseitig von einander profitieren.

Während den ersten paar Tagen habe ich schon gemerkt, dass die Luft dünner ist und die Läufe nicht so leicht fallen wie zu Hause. Vor Allem bergauf kam ganz schön aus der Puste und die Geschwindigkeit war eher mit Wandern zu vergleichen. Ich habe mich aber schnell an die Höhe gewöhnt und konnte alle Trainings wie geplant umsetzen.

Insgesamt umfasste die Trainingsgruppe acht Athletinnen und wir wohnten alle zusammen in einem schönen Haus am Rand von Dullstroom. Die meisten Trainingseinheiten absolvierten wir direkt von hier. Für lange Dauerläufe fuhren wir etwas ausserhalb auf eine Dirt Road und Tempoläufe absolvierten wir im ca. 30 Kilometer entfernten Belfast auf der Grasbahn. Die Bedingungen waren wirklich gut und die Temperaturen im südafrikanischen Spätsommer mit 20 – 25 Grad zum Trainieren sehr angenehm. 

Die ganze Zeit habe ich mich in der Gruppe sehr wohl gefühlt und war bestimmt nicht zum letzten Mal in Dullstroom. Auch mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Trainings bin ich sehr zufrieden und blicke zuversichtlich den ersten Wettkämpfen entgegen. 

Halbmarathon Den Haag

Über 40'000 Läuferinnen und Läufer nahmen in Den Haag an einem der grössten Läufe Europas teil. Über die Halbmarathon-Distanz war ich im Elitefeld am Start. Nach sehr starken Rennen über 10 km und im Cross wollte ich auch auf der 21.1 km langen Strecke eine neue Bestzeit laufen.

Ich wählte die gleiche Taktik wie bei meinem Schweizer Rekord über 10 km in Payerne und lief ohne Uhr nur nach Gefühl. Die 10km-Marke passierte ich nach 33:08 min und rund 20 Sekunden hinter der führenden Läuferin. Auf den folgenden 5 km konnte ich zur Spitze aufschliessen und erreichte die 15km Marke nach 49.50 min. Damit blieb ich als erste Schweizerin in der Geschichte über 15km offiziell unter der 50-Minuten-Marke. Ein erster Schweizer Rekord war damit bereits auf sicher. Auf den letzten 5 km kam ein unangenehmer Gegenwind auf, trotzdem konnte ich meine Pace halten und bei der 20-km-Marke Rekord Nummer 2 erlaufen (1:06.40). Die wertvollste Marke, die ich an diesem Tag knackte, war im Ziel der Schweizer Rekord über die Halbmarathon-Distanz. Mit 1:10.17 blieb ich 14 Sekunden unter dem alten Rekord von Ursula Spielmann-Jeitziner.

Mit diesem Rennen schloss ich einen intensiven dreiwöchigen Wettkampfblock äusserst erfolgreich ab: 5 Rennen, 5 Siege, 4 Schweizer Rekorde auf 4 Distanzen!

Bremgarter Reusslauf und Cross SM

Eine Woche nach meinem 10km-Schweizer Rekord stand ich am Start zum Bremgarter Reusslauf. Das Rennen war als schneller Trainingslauf gedacht und ich versuchte, das Rennen eher defensiv anzugehen. Schon nach drei der insgesamt 11 km lief ich alleine an der Spitze und konnte noch einige zu schnell gestartete Männer einsammeln. Nach 36:57min gewann ich das Rennen mit 24 Sekunden Vorsprung. 

Am nächsten Tag fand in Köniz die Cross Schweizermeisterschaft statt. Letztes Jahr gewann ich den Titel im Kurz- und Langcross, in diesem Jahr habe ich mich für einen Start im Kurzcross über 3km entschieden. Nach einem langsamen ersten Kilometer attackierte ich und konnte mich etwas vom Feld absetzen. Mit 8 Sekunden Vorsprung gewann ich meine dritte SM-Goldmedaille im Kurzcross. 

10km de Payerne

Bei perfektem Laufwetter machte ich mich auf den Weg nach Payerne, um über 10 km eine Standortbestimmung zu machen. Nachdem ich anfangs der Woche noch mit müden Beinen vom Trainingslager zu kämpfen hatte, fühlte ich mich von Tag zu Tag besser und war gespannt, wie schnell ich die 10 km laufen kann. Ohne Uhr und Zwischenzeiten lief ich einfach nach Gefühl und hatte keine Ahnung wie schnell ich unterwegs war. Die 5km Zwischenzeit von 16:05 min war sensationell und nach einem kleinen Durchhänger konnte ich auf den letzten 2 km nochmals aufdrehen. Im Ziel leuchtete die Zeit von 32:10 min auf, ich konnte es kaum glauben! So schnell absolvierte noch nie eine Schweizerin die 10km auf der Strasse, die alte Schweizerrekord-Marke stand bei 32:51min. Meine Zeit liegt gar unter der WM- und Olympia-Limite über 10'000 m auf der Bahn (32:15.00) und in Payerne erreichten nur gerade 5 Männer, darunter ein Schweizer, das Ziel vor mir.