Mein Leben als Läuferin

Escalade Genève

Über 50'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für die Escalade in Genf eingeschrieben. Zum ersten Mal war auch ich mit dabei und wollte mir den letzten Schliff für die Cross EM vom 10. Dezember 2017 holen.

Die Rennen der Elite über 7.5km waren ausgezeichnet besetzt. Zusammen mit 3 weiteren Gegnerinnen setzte ich mich schon bald vom Feld ab, denn es wurde ein sehr hohes Tempo angeschlagen. Als die Gegnerinnen auf der letzten Runde nochmals anzogen, musste ich sie ziehen lassen. Als Vierte verlor ich rund 30 Sekunden auf die Siegerin und nahm der zweitbesten Schweizerin rund 2 Minuten ab. 

Int. Cross Tilburg

Nach meinem Sieg im Vorjahr reiste ich erneut mit grossen Zielen nach Tilburg. Ich traf wieder auf starke europäische Konkurrenz und wollte ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Die neue Strecke präsentierte sich sehr abwechslungsreich mit vielen Kurven, kleinen Hügeln, Baumstämmen und sumpfigen Abschnitten. Ich hielt mich stets in den ersten Positionen auf und prägte das Rennen über 8.3km über weite Strecken von der Spitze. Die Konkurrentinnen blieben jedoch dran und so kam es zu einem Schlussspurt einer Vierergruppe. Zwar musste ich mich von der Olympia-Sechsten über 1500m Meraf Bahta knapp geschlagen geben, doch mit Rang 2 gelang mir ein tolles Ergebnis.

Corrida Bulloise

An der Corrida in Bulle präsentierte sich in den beiden Elitefeldern eine Startliste, wie sie sich wohl nur selten zeigt. Aus Schweizer Sicht war fast alles am Start, was der Laufsport aktuell zu bieten hat. Zusätzlich waren die Eliterennen gespickt mit einigen starken AusländerInnen. 

Nach meinem überraschenden Sieg im letzten Jahr trat ich als Titelverteidigerin an. Das Rennen wurde wie erwartet zum grossen Duell zwischen der Ethiopierin Helen Bekele und mir. Die ersten sechs von zehn Runden liefen wir gemeinsam an der Spitze, bis ich das hohe Tempo nicht mehr mitgehen konnte und abreissen lassen musste. So behielt in diesem Jahr Helen Bekele das bessere Ende für sich und gewann mit 22 Sekunden Vorsprung. Mit dem zweiten Platz darf ich aber mit ihrem Auftakt in den Wettkampfblock zufrieden sein.

Trainingslager Tenero

Wie bereits im letzten Jahr habe ich mich während 10 Tagen in Tenero auf die bevorstehenden Crossläufe vorbereitet. Im Centro Sportivo fanden wir wie immer perfekte Trainingsbedingungen vor. Täglich standen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, welche in dieser coolen Gruppe und mit dem Sonnenschein doppelt Spass machten. 

Highlight der Cross-Saison soll die EM Mitte Dezember in Samorin werden, wo ich meinen 8. Platz vom Vorjahr bestätigen möchte. Bis jetzt bin ich mit meinem Trainingsstand voll zufrieden und freue mich auf die ersten Wettkämpfe. 

Zurück im Trainingsalltag

Die dreiwöchige Trainingspause nach Weltklasse Zürich habe ich in vollen Zügen genossen. Die Laufschuhe und Laufkleider blieben grösstenteils im Schrank und ich hatte für alles Zeit, was während der Saison etwas zu kurz kam. So habe ich etwas mehr im Büro der Stadtverwaltung Wetzikon gearbeitet und nebenbei meine sozialen Kontakte gepflegt. 

Ohne die grosszügige Unterstützung meiner Sponsoren und Supportern hätte ich niemals eine so erfolgreiche Saison erleben dürfen. Ein GROSSES DANKESCHÖN für die grosszügige Unterstützung! Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass mich neu die Elliscasis Immobilien GmbH auf dem Weg an die Olympischen Spiele in Tokio unterstützen wird. 

Als Einstieg in den Trainingsalltag war ich wie im letzten Jahr in St. Moritz und sammelte fleissig Kilometer zu Fuss, mit dem Bike oder im Schwimmbad. Der erste Muskelkater ist schon wieder weg und es fühlt sich jeden Tag etwas mehr wie laufen an. Das Training macht richtig Spass und der Herbst ist die perfekte Jahreszeit für schöne Dauerläufe im Wald. 

Weltklasse Zürich

Als einzige Schweizerin hatte ich mich für eine der Finaldisziplinen der Diamond League bei Weltklasse Zürich qualifiziert und traf auf die absolute Weltklasse. Aus den Top 10 der Weltmeisterschaft in London fehlten nur 2 Gegnerinnen und ich kam zu meiner persönlichen WM-Revanche. So startete das Rennen horrend schnell. Ich wollte das Risiko eingehen und selber ebenfalls ein hohes Tempo anschlagen. Das gelang mir gut und die 1000 m Marke passierte ich nach 3:03 min, so schnell wie noch nie. Auch nach 2 km und 6:11.5 min war ich über 3 Sekunden schneller als bei meinem Schweizer Rekord. Auf den letzten 2 Runden ging es dann nicht mehr so schnell. Die Beine wurden schwer und auch die Hindernisse wollten nicht mehr wie gewohnt. Ich kämpfte mich durch und wurde in 9:28.80 min Zehnte. Damit beende ich eine unglaubliche Saison mit der viertbesten Zeit meiner Karriere. 

Weltmeisterschaft London

Nach 2013 und 2015 habe ich mich zum dritten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert und reiste voller Selbstvertrauen in die britische Hauptstadt. Die Qualifikation für den WM Final der besten 15 war mein grosses Saisonziel und ich habe mich gut darauf vorbereitet. Die ersten drei pro Serie plus die sechs Zeitschnellsten qualifizieren sich für den Final. Ich lief in der dritten Serie, fühlte mich zu Beginn gut und lief im vorderen Mittelfeld mit. Als dann nach Rennhälfte das Tempo erhöht wurde konnte ich nicht reagieren und die Beine wurden schwer. Als gesamt 16. verpasste ich den Final hauchdünn. Die Enttäuschung ist riesig und ich bin traurig, dass ich im wichtigsten Rennen der Saison meine Leistung nicht abrufen konnte. Was genau der Grund für das Scheitern war ist schwierig zu sagen, ich werde das Rennen sicher zusammen mit Michi genau analysieren und versuchen, es nächstes Mal besser zu machen.

Jetzt schaue ich nach vorne und freue mich auf meinen Aufritt vor Heimpublikum bei Weltklasse Zürich. 

Schweizermeisterschaft Zürich

Zum ersten Mal startete ich an den Schweizermeisterschaften über 800m. Direkt aus dem Höhentrainingslager in St. Moritz angereist wollte ich einen Temporeiz setzen. Im Vorlauf wurde ich zu Beginn vom Tempo schon ein wenig überrascht und erlitt einen kleinen Temposchock. Trotzdem gewann ich meinen Vorlauf souverän und qualifizierte mich somit direkt für den Final. 

Das Finale war wie so oft von Taktik geprägt. Zu Beginn hielt ich mich zu hinterst im Feld auf und arbeitete mich auf der zweiten Runde langsam nach vorne. Auf der Zielgerade packte ich meinen Schlussspurt aus, warf mich ins Ziel und wusste zuerst nicht, ob ich zweite, dritte oder vierte bin. Nach einigen Minuten war dann das Resultat auf dem Screen und zeitgleich mit den beiden Drittplatzierten sicherte ich mir die Silbermedaille. 

Zufrieden mit dem Resultat und einem gelungenem Tempotest im Gepäck fuhr ich nach dem Rennen wieder nach St. Moritz für die letzten WM-Vorbereitungen.

 

Das Video zu meinem Lauf:

https://video.ubs-athletics.fans/de/video/800m-wom-final?v=BG_ww-sW6PynkE88NLkVRG