Wien Marathon

Fünf Wochen nach dem grandiosen 12. Rang an den Olympischen Spielen in Sapporo stand ich in Wien wieder an der Startlinie zu einem Marathon. Mein dritter Marathon sollte der erste schnelle Städtemarathon bei guten Bedingungen sein. Doch schon beim Start um 9.00 Uhr zeigte das Thermometer 20 Grad und 75% Luftfeuchtigkeit und die Sonne strahlte aus voller Kraft vom Himmel. Für die vielen Touristen in Wien war dies ideal doch für einen Marathon deutlich zu warm. Dennoch startete ich mit meinen zwei Pacemakern ideal mit 1:12.15 für die erste Hälfte. Auf der zweiten Hälfte verlor ich zwar noch etwas an Tempo, doch ich konnte mich von Rang 9 auf Rang 4 vorarbeiten. Weniger als eine Minute fehlte im Ziel auf Rang 2 und lediglich 17 Sekunden auf meinem eigenen Schweizer Rekord.

Olympische Spiele Tokio

Einige Tage sind seit dem Olympischen Marathon vergangen und ich habe Zeit, die Gefühle und Erlebnisse der vergangenen Tage einzuordnen und in Worte zu fassen. 

 

Am Samstag Morgen um 6.00 Uhr stand ich bei 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit perfekt vorbereitet an der Startlinie zum Marathon an den Olympischen Spielen. Im Vorfeld haben Michi und ich uns sehr viele Gedanken über das perfekte Verpflegungs- und Coolingskonzept gemacht. Wer denkt, ein Marathonläufer braucht nur ein paar Schuhe und ein Wettkampfdress, täuscht sich. Wir hatten fast den gesamten Haushalt in Japan dabei.

Die minuziöse Vorbereitung hat sich ausbezahlt. Bis zu Streckenhälfte war ich in der Spitzengruppe dabei und es hat sich sehr gut und entspannt angefühlt. Dann wurde das Tempo an der Spitze schneller und ich lief knapp dahinter meinen eigenen Rhythmus weiter. Ab Kilometer 35 wurde es dann richtig hart, die Beine wurden schwer und ich musste leiden. Ich wusste nicht, an welcher Position ich im Rennen war und sah im Ziel, dass ich als 12. eingelaufen war. Mit meinen wackligen Beinen kämpfte ich mich aus dem Zielbereich heraus zurück zu unserem Teamzelt. Den Moment, als ich Michi in die Arme schloss und wir von Emotionen übermannt wurden, werde ich wohl in meinem Leben nie vergessen. In diesem Moment fiel die ganze Anspannung von uns beiden ab und die Freude über das Rennen und den 12. Rang war riesengross (bzw. ist es immer noch).

 

Gerne möchte ich mich an dieser Stelle noch bei allen Betreuern für Ihre Unterstützung vor und während dem Rennen bedanken. An der Startlinie stehe ich jeweils alleine da, doch was mein Team in diesen Tagen und in der gesamten Vorbereitung geleistet hat, verdient grössten Respekt und ich bin unendlich dankbar. 

 

Marathon-Debüt

Am 3. April 2021 war endlich Marathon-Tag. Ich war voller positiver Vorfreude, etwas aufgeregt, körperlich und mental topfit und hatte richtig Bock endlich Marathon zu laufen. 

Im Rennen war ich mit drei Tempomachern unterwegs, die mich vom doch ziemlich kalten und zügigen Wind schützten und ein perfektes und sehr gleichmässiges Tempo vorgaben. Auch die Verpflegung hat wunderbar geklappt und so spulten wir Runde um Runde entlang des Flughafen Belp ab. Während des gesamten Rennens habe ich mich super gefühlt und kam richtig in den Flow. Nach 2:26:14 Std. überquerte ich die Ziellinie mit einem grossen Lachen im Gesicht. Ich finishte meinen ersten Marathon, stellte einen neuen Schweizer Rekord auf und unterbot die Limite für die Olympischen Spiele (2:29:30 Std.) deutlich. MARATHON IST TOLL!

In den nächsten Zwei Wochen steht die Erholung im Vordergrund und die Laufschuhe bleiben im Schrank. Danach beginnt bereits langsam die Vorbereitung für meinen nächsten Marathon, welcher hoffentlich am 7. August 2021 in Sapporo stattfinden wird.

 

Video zum Rennen. 

Halbmarathon Dresden

Da der geplante Marathon in Belp vom 14. März 2021 aufgrund des Wetters um drei Wochen verschoben wurde, haben wir uns spontan entschieden in Dresden einen Halbmarathon zu laufen. Das Rennen war nicht speziell vorbereitet und mit dem Ziel, einfach wieder einmal einen Wettkampf zu haben, die Abläufe zu üben und so schnell zu rennen wie es geht. Die Bedingungen waren mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und viel Wind nicht ideal und so versuchte ich mich in den Gegenwindpassagen hinter meinem Pacemaker zu verstecken. Nach einem etwas verhaltenen Start konnte ich immer mehr zulegen und überraschte mich im Ziel mit einem neuen Schweizer Rekord von 1:08:27 Std. 

Halbmarathon WM

Die Halbmarathon WM war der einzige Leichtathletik-Grossanlass in diesem Jahr. In Gdynia POL trafen sich die besten Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Welt, das Schweizer-Team war mit zwei Männern und mir klein aber fein. Dieses Rennen sollte der Abschluss und gleichzeitig der Höhepunkt eines erfolgreichen, jedoch sehr speziellen Jahres sein. In den vergangenen Monaten habe ich mich mit mehreren Trainingslagern in St. Moritz gezielt auf diesen Halbmarathon vorbereitet und wollte meine gute Form natürlich auch zeigen. 

 

Mit dem Blick auf die Startliste war mir klar, dass es für mich ein einsames Rennen geben könnte, und genau so war es auch. Schon nach einem Kilometer war ich alleine unterwegs. Die Spitzengruppe startete mit Weltrekordtempo zu schnell für mich und die Gruppe hinter mir war zu langsam. Trotzdem habe ich ein hohes Tempo angeschlagen und dieses bis zum Schluss gut durchgezogen. Die Eine oder Andere zu schnell gestartete Läuferin konnte ich noch einsammeln und lief als 13te ins Ziel. Mit 1:08:38 Std. stellte ich einen neuen SCHWEIZER REKORD auf und war die schnellste nicht in Afrika geborenen Läuferin. 

Foto: Athle.ch

SM Basel

Am vergangenen Wochenende fanden in Basel die Schweizermeisterschaften statt. Als Erstes stand der Vorlauf über 1’500m auf dem Plan. Als Siegerin meiner Serie qualifizierte ich mich mühelos für den Final. Ca. fünf Stunden später stand ich erneut an der Startlinie, diesmal über 5’000m. In einem taktischen Rennen hielt ich mich zuerst im hinteren Teil der Spitzengruppe auf. 1'000m vor Schluss verschärfte ich das Tempo, konnte mich sofort absetzen und gewann das Rennen vor meiner Trainings- und Vereinskollegin Chiara Scherrer. 

 

Am nächsten Tag stand noch der Final über 1’500m an. Als Langstreckenläuferin wollte ich die Spezialistinnen etwas ärgern und im Kampf um den Titel ein Wörtchen mitreden. Nach der ersten Runde übernahm ich die Spitze des Rennens und drückte aufs Tempo, denn ich wollte die Konkurrenz abschütteln und es nicht zu einem Schlussspurt kommen lassen. Eine Runde vor Schluss konnte ich mich etwas absetzen und überquerte die Ziellinie erneut als Erste. Dahinter folgte wie schon über 5’000m meine Kollegin Chiara Scherrer und wir feierten einen TG Hütten Doppel-Doppelsieg! 

2x PB über 5'000 m

Nach einem erfolgreichen Höhentrainingslager im Juli in St. Moritz war die Vorfreude auf Wettkämpfe gross. Beim Meeting in Regensdorf stand ich an der Startlinie über 5'000 Meter und wollte eine schnelle Zeit laufen. Zu Beginn des Rennens hatte ich etwas Mühe einen guten Rhythmus zu finden, doch dann drehte ich auf und lief in 15:17,27 eine neue persönliche Bestzeit. 

Zwei Wochen später stand ich in Bulle erneut am Start über 5'000 m und wollte den CH-Rekord von Anita Weyermann (14:59) angreifen. Mit Hilfe eines Pacemakers startete ich ausgezeichnet und lag nach 3 Km in 9:00 Minuten genau auf Kurs. Die letzten 600 Meter wurden dann aber richtig hart und ich verlor noch etwas Zeit. Mit 15:10,31 gelang mir dennoch eine neue Bestzeit und die zweitbeste Leistung einer Schweizerin auf dieser Distanz überhaupt.

Endlich wieder Wettkämpfe

Nach langer Wettkampfpause finden für Leichtathleten endlich wieder Wettkämpfe statt. Den Auftakt für Mittel- und Langstreckenläufer machte das Meeting in Wetzikon, welches mein Verein TG Hütten kurzfristig organisierte. Zum ersten Mal stand ich in „meinem“ Trainingsstadion über 5000m an der Startlinie. Irgendwie fand ich aber nie richtig in den Rennrhythmus und es war von Anfang an ein Knorz. Schon zu Beginn fühlten sich das Tempo höllisch schnell und die Beine schwer an. Von der Zeit und vom Gefühl war es nicht das, was ich mir erhofft hatte.

10 Tage später stand ich wieder an der Startlinie. In Uster fanden die Schweizermeisterschaften über 10’000m auf der Bahn statt. Zum ersten Mal trat ich über die 25 Bahnrunden an. Ich war vom ersten Meter an im Flow und die Runden vergingen wie im Flug. Es fühlte sich wieder an wie vor meinem verletzungsgeplagten letzten Jahr und hat unglaublich viel Spass gemacht. Mit einer super Zeit von 32:16min wurde ich Schweizermeisterin vor meiner Trainingskollegin Chiara Scherrer. Ein TG-Hütten Doppelsieg! 

Im Juli steht wieder ein Höhentrainingsblock in St. Moritz auf dem Programm. Wie es danach mit Wettkämpfen weitergeht ist zur Zeit noch offen.

Foto: Peter Bienz

Wechsel zum Marathon

Aufgrund der Verschiebung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 haben wir (Michi Rüegg und ich) uns entschieden, schon jetzt den Weg zum Langstreckenlauf einzuschlagen und die Qualifikation für Tokio im Marathon anzustreben. 

Auch in Zukunft werde ich noch ab und zu auf der Bahn unterwegs sein, der Fokus gilt aber der Strasse. Meine nächsten Wettkämpfe sind am 16. Juni 2020 in Wetzikon (5000m) und am 26. Juni 2020 in Uster (SM 10’000m) geplant. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass ich wieder einmal ein Steeplerennen absolviere, doch mein bisher Letztes (EM Final Berlin) wird wohl mein Grösstes sein. Wann und wo ich meinen ersten Marathonstart plane, ist noch offen.