Mein Leben als Läuferin

Erstmals in ihrer Karriere muss die Wetziker Steeple-Spezialistin Fabienne Schlumpf auf Alternativtraining setzen. Eine Sehnenentzündung zwingt sie dazu.

 

Es ist eine neue Situation für Fabienne Schlumpf. Und vor allem eine, auf die die Wetzikerin gut hätte verzichten können. Zum ersten Mal überhaupt in ihrer Laufbahn ist die Steeple-Spezialistin verletzt.

Sie kann deswegen vorerst nicht mehr machen, was sie am liebsten tut: rennen.

Eine Sehnenentzündung am rechten Fuss brockte der Olympia-Teilnehmerin von Rio 2016 von ihrem Arzt ein mehrwöchiges Laufverbot ein. Drei Wochen davon hat sie bereits hinter sich.

Mit der Situation abgefunden

Schlumpf gibt zu, dass sie an der Verletzung zu beissen hatte. Mittlerweile hat sie sich mit der Herausforderung, wie sie die Situation nennt, aber abgefunden. «Wenn ich wochenlang mit schlechter Laune rumspaziert wäre, hätte mich das ja auch nicht weiter gebracht.»

Das eine oder andere Mal habe sie sogar schon Spass am Alternativtraining gehabt, das etwa Aquafit und die Arbeit auf dem Ergometer beinhaltet, sagt sie und lacht.  

Vorzeitig ab ins Engadin

Schlumpf blickt längst wieder optimistisch nach vorne, obwohl sie den einst am 26. Mai geplanten Saisonstart in ihrer Paradedisziplin wohl nach hinten verschieben muss. Dass die 27-Jährige Zuversicht verströmt, hat auch damit zu tun, dass sie sagen kann: «Ich habe das Gefühl, die Verletzung verheilt gut.»

Am Montag steht der nächste Termin bei ihrem Sportarzt an. Danach weiss sie genauer, wie sie ihre auf die Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) ausgerichteten Pläne anpassen muss.

Den eigentlich ab Mitte Mai angesetzten Höhenblock im Engadin hat sie vorzeitig angetreten. Erstens, weil sie im Bündnerland eine ideale Betreuung vorfindet, wie sagt. Aber eben auch, «weil es mir zuhause gestunken hat».

Schlumpf wünscht sich, dass in ihrem Trainingsalltag möglichst bald wieder Normalität einzieht. Sie wäre darauf vorbereitet. «Die Laufschuhe habe ich jedenfalls bereits wieder hervorgeholt.» 

(Text: Zürcher Oberländer vom 02.05.2018)

Trainingslager Tenero

Traditionellerweise verbringe ich im April zwei Wochen mit dem Swiss-Athletics Mittel- und Langstreckenkader in Tenero und bereite mich auf die Bahnsaison vor. Die erste Hälfte haben wir bereits geschafft und dabei viele Kilometer zurückgelegt, Hürden überwunden und Gewichte gestemmt. Leider meinte es das Wetter nicht so gut mit uns, doch die Stimmung war trotzdem gut und wir konnten alle Trainings wie geplant umsetzen. In der ersten Woche hatte ich mit Norah und Daisy zwei Weltklasse-Steepleläuferinnen aus Kenia an meiner Seite. Gemeinsam haben wir intensiv an unserer Hindernistechnik gefeilt. Ich freue mich, die beiden später in der Saison auf der Wettkampfbühne wieder zu treffen. 

Hier noch ein kleiner Einblick ins Training. Danke an Diego Menzi für den Film. 

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Halbmarathon-WM

Nach einem guten Trainingswinter mit mehreren Trainingslagern stand ich am Samstag in Valencia zum ersten Mal am Start einer WM auf der Strasse. An der Halbmarathon-WM wollte ich mich gegen die Weltbesten behaupten. Dass die Weltbesten am Start waren, merkte man schon bald. Das Tempo war von Beginn weg sehr hoch. Ich ging ein schnelles Tempo mit, denn nach rund 8 Km folgte eine lange Gerade mit starken Gegenwind. Da wollte ich natürlich nicht alleine unterwegs sein. So passierte ich die 5 Km Marke nach schnellen 16.08 min! Bei 10 Km lag ich mit einer Zwischenzeit von 32.51 min immer noch auf Kurs. Ausser mir konnte noch nie eine Schweizerin die 10km auf der Strasse so schnell laufen. Nach rund 13 Km folgten dann die Passagen mit mehr Rückenwind, doch mein Rennen verlief nicht mehr ganz nach Plan. Magenprobleme und ein kurzer Stopp am Strassenrand bremsten mich aus. Dennoch gelang mir mit 1:10.36 Std. eine starke Zeit und mit Rang 16 klassierte ich mich als zweitbeste Europäerin mitten in der Weltspitze. Die Zeit bedeutet zudem ein Schweizerrekord für reine Frauenrennen und Rang 16 ist das beste Ergebnis einer Schweizerin an einer Halbmarathon-WM überhaupt.

Trainingslager Dullstroom

Für drei Wochen trainierte ich in Dullstroom (Südafrika) auf ca. 2000 Meter über Meer und bereitete mich intensiv auf die Halbmarathon-WM in Valencia vor. Während den ersten paar Trainingstagen stand die Angewöhnung an die Höhe noch im Vordergrund und die Trainings waren weniger intensiv. Ich habe mich schnell an die Höhe gewöhnt und konnte nach Plan trainieren. Pro Woche sind so ca. 160 Laufkilometer und 16 Trainingsstunden zusammengekommen. Das Wichtigste dabei ist, dass ich alles wie geplant umsetzen konnte und mich dabei immer gut gefühlt habe (oder wie man sich nach 14x1km eben fühlt :). Auch neben dem Training hatten wir eine tolle Zeit und genossen die perfekten Bedingungen und das gute südafrikanische Essen. Nach einem anstrengenden Trainingstag hatten wir uns ab und zu ein feines Rindsfilet vom Grill gegönnt. Köstlich! Jetzt steht die Erholung im Vordergrund, damit ich dann topfit in Valencia an der Startlinie stehe.

Bremgarter Reusslauf

Nach meinem Sieg im Vorjahr entschied ich mich auch dieses Jahr am Bremgarter Reusslauf über 11km zu starten. Es war mein erster Wettkampf nach einer langen Trainingsphase und es waren zahlreiche Spitzenläuferinnen und -läufer am Start. Ich schlug von Beginn an ein hohes Tempo an und konnte im Verlauf des Rennens einen Mann nach dem Anderen überholen, was mich immer wieder motivierte. Nach 36.08min siegte ich souverän mit neuem Streckenrekord. Dahinter zeigte auch meine Trainingspartnerin Chiara Scherrer eine tolle Leistung und wurde mit dem dritten Overallrang belohnt. Somit war das Podest zu 2/3 in TG Hütten-Hand. 

Meine Koffer sind bereits wieder gepackt und ich freue mich auf meinen nächsten Höhenblock. Im südafrikanischen Dullstroom werde ich mich in den nächsten drei Wochen auf die Halbmarathon-WM in Valencia vorbereiten. 

Cross EM

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einem eisigen Wind präsenteirte sich den Crossläufern an der EM in Samorin eine schnelle Strecke mit vielen Hindernissen, kleinen Hügeln und einem Wassergraben. Ich war zum sechsten Mal an einer Cross EM dabei und zum vierten Mal bei der Elite. Nach meinem 8. Rang vom Vorjahr trat ich mit Hoffnungen auf eine Top 10 Klassierung über die 8,2 km lange Strecke an. 

Von Beginn weg zeigte ich mich in den vordersten Positionen. Zwar zogen die drei späteren Medaillengewinnerinnen bald etwas davon, doch dahinter präsentierte ich mich als eine der aktivsten Läuferinnen. Auf der Zielgerade kam es in einer vierer Gruppe zum Schlussspurt um Rang 4 bis 7. Auch wenn ich mich da geschlagen geben musste, mit Rang 7 darf ich erneut auf eine sehr erfolgreiche EM zurück blicken und realisierte das beste Ergebnis einer Schweizerin seit 1999. 

Escalade Genève

Über 50'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für die Escalade in Genf eingeschrieben. Zum ersten Mal war auch ich mit dabei und wollte mir den letzten Schliff für die Cross EM vom 10. Dezember 2017 holen.

Die Rennen der Elite über 7.5km waren ausgezeichnet besetzt. Zusammen mit 3 weiteren Gegnerinnen setzte ich mich schon bald vom Feld ab, denn es wurde ein sehr hohes Tempo angeschlagen. Als die Gegnerinnen auf der letzten Runde nochmals anzogen, musste ich sie ziehen lassen. Als Vierte verlor ich rund 30 Sekunden auf die Siegerin und nahm der zweitbesten Schweizerin rund 2 Minuten ab. 

Int. Cross Tilburg

Nach meinem Sieg im Vorjahr reiste ich erneut mit grossen Zielen nach Tilburg. Ich traf wieder auf starke europäische Konkurrenz und wollte ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Die neue Strecke präsentierte sich sehr abwechslungsreich mit vielen Kurven, kleinen Hügeln, Baumstämmen und sumpfigen Abschnitten. Ich hielt mich stets in den ersten Positionen auf und prägte das Rennen über 8.3km über weite Strecken von der Spitze. Die Konkurrentinnen blieben jedoch dran und so kam es zu einem Schlussspurt einer Vierergruppe. Zwar musste ich mich von der Olympia-Sechsten über 1500m Meraf Bahta knapp geschlagen geben, doch mit Rang 2 gelang mir ein tolles Ergebnis.

Corrida Bulloise

An der Corrida in Bulle präsentierte sich in den beiden Elitefeldern eine Startliste, wie sie sich wohl nur selten zeigt. Aus Schweizer Sicht war fast alles am Start, was der Laufsport aktuell zu bieten hat. Zusätzlich waren die Eliterennen gespickt mit einigen starken AusländerInnen. 

Nach meinem überraschenden Sieg im letzten Jahr trat ich als Titelverteidigerin an. Das Rennen wurde wie erwartet zum grossen Duell zwischen der Ethiopierin Helen Bekele und mir. Die ersten sechs von zehn Runden liefen wir gemeinsam an der Spitze, bis ich das hohe Tempo nicht mehr mitgehen konnte und abreissen lassen musste. So behielt in diesem Jahr Helen Bekele das bessere Ende für sich und gewann mit 22 Sekunden Vorsprung. Mit dem zweiten Platz darf ich aber mit ihrem Auftakt in den Wettkampfblock zufrieden sein.

Trainingslager Tenero

Wie bereits im letzten Jahr habe ich mich während 10 Tagen in Tenero auf die bevorstehenden Crossläufe vorbereitet. Im Centro Sportivo fanden wir wie immer perfekte Trainingsbedingungen vor. Täglich standen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, welche in dieser coolen Gruppe und mit dem Sonnenschein doppelt Spass machten. 

Highlight der Cross-Saison soll die EM Mitte Dezember in Samorin werden, wo ich meinen 8. Platz vom Vorjahr bestätigen möchte. Bis jetzt bin ich mit meinem Trainingsstand voll zufrieden und freue mich auf die ersten Wettkämpfe. 

Zurück im Trainingsalltag

Die dreiwöchige Trainingspause nach Weltklasse Zürich habe ich in vollen Zügen genossen. Die Laufschuhe und Laufkleider blieben grösstenteils im Schrank und ich hatte für alles Zeit, was während der Saison etwas zu kurz kam. So habe ich etwas mehr im Büro der Stadtverwaltung Wetzikon gearbeitet und nebenbei meine sozialen Kontakte gepflegt. 

Ohne die grosszügige Unterstützung meiner Sponsoren und Supportern hätte ich niemals eine so erfolgreiche Saison erleben dürfen. Ein GROSSES DANKESCHÖN für die grosszügige Unterstützung! Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass mich neu die Elliscasis Immobilien GmbH auf dem Weg an die Olympischen Spiele in Tokio unterstützen wird. 

Als Einstieg in den Trainingsalltag war ich wie im letzten Jahr in St. Moritz und sammelte fleissig Kilometer zu Fuss, mit dem Bike oder im Schwimmbad. Der erste Muskelkater ist schon wieder weg und es fühlt sich jeden Tag etwas mehr wie laufen an. Das Training macht richtig Spass und der Herbst ist die perfekte Jahreszeit für schöne Dauerläufe im Wald.