Mein Leben als Läuferin

EM Berlin

Lange habe ich mich auf die Europameisterschaft in Berlin gefreut und nun war es endlich so weit. Vor einem Jahr habe ich mir eine Medaille zum Ziel gesetzt, ein hohes aber nicht unmögliches Ziel. Durch die Sehnenentzündung am Fuss und die muskulären Probleme im Oberschenkel im Frühling wusste ich lange nicht, ob ich überhaupt in Berlin am Start stehen kann. Das Ziel, eine Medaille zu gewinnen, ist in weite Ferne gerückt. Als ich dann endlich wieder zu 100 % schmerzfrei trainieren konnte, setzen Michi und ich alles daran, um bis zur EM wieder in Topform zu sein. Die letzte Vorbereitung in St. Moritz lief richtig gut. In den Vorläufen qualifizierte ich mich als Siegerin meiner Serie und Zeitschnellste souverän für den Final und gewann damit enorm viel Selbstvertrauen. Die Technik funktionierte sehr gut und die Beine liefen schnell. 

Am letzten EM-Abend fand dann vor über 40'000 Zuschauern der Final statt. Nach vielen Stunden Training war es endlich so weit, ich habe so lange auf diesen Moment gewartet. Im Wissen, alles gemacht zu haben, stand ich mit einem klaren Plan an der Startlinie. Es gelang mir, den Plan perfekt umzusetzen und schon bald übernahm ich die Führung und drückte aufs Tempo. Von Runde zu Runde fielen die Gegnerinnen hinten weg, so dass wir zu viert auf die Schlussrunde gingen. Ich drückte weiter auf das Tempo und musste mich beim letzten Wassergraben nur von der Titelverteidigerin überholen lassen. Die Silberne Medaille war die Belohnung, ich bin VIZE-EUROPAMEISTERIN! Für Michi und mich ging damit ein Traum in Erfüllung. Wir haben es geschafft, mich rechtzeitig in Topform zu bringen, was mich extrem glücklich und stolz macht. Dass so viele Freunde und meine Familie im Stadion mitgefiebert haben bedeutet mir sehr viel und die Emotionen nach dem Rennen waren dementsprechend sehr gross. 

Foto: Ulf Schiller

Trainingslager St. Moritz

Die letzten drei Wochen bereitete ich mich in meiner zweiten Heimat St. Moritz intensiv auf die Europameisterschaften in Berlin vor. Das Training verlief nach Plan und ich spulte viele Kilometer bei wunderschönem Panorama entlang der Engadiner Seen ab. Für schnelle Einheiten oder Techniktraining nutzte ich die 400m-Bahn direkt vor der Haustüre oder den nahegelegenen Kraftraum. Das Schwimmbad ist ebenfalls nicht weit entfernt und ideal um die müden Beine beim Schwimmen etwas zu lockern. Die Zeit verging wie immer rasend schnell und ich kann es kaum erwarten, endlich wieder an der Startlinie zu stehen. Die Arbeit ist jetzt getan und in den kommenden Tagen steht die Erholung im Vordergrund, um am Freitag, 10. August 2018 um 12.25 Uhr topfit am Start des Vorlaufs über 3000 m Steeple zu stehen. 

Gala dei Castelli

Mit der Gala dei Castelli in Bellinzona hat sich ein weiteres tolles Schweizer Meeting mit internationaler Konkurrenz gebildet. Zum ersten Mal stand ich dieses Jahr am Start und reiste direkt aus dem Trainingslager in St. Moritz an. Über 5000 m bestritt ich meinen letzten Wettkampf vor der EM in Berlin. Die Konkurrenz war hochkarätig. Ich startete gut und passierte die ersten Kilometer in 3.02 min, 6.05 min bzw 9.11 min bei 3000m. Danach fiel das Tempo etwas zusammen, doch mit einem starken letzten Kilometer finishte ich als Fünfte in 15:23.44 min. Dies bedeutet deutliche neue persönliche Bestzeit. Die Limite für die EM in Berlin unterbot ich um über 16 Sekunden, nur drei Schweizerinnen waren über diese Distanz je schneller.

SM Zofingen

Die Schweizermeisterschaften der Elite fanden dieses Jahr in Zofingen statt. Bei heissen Temperaturen qualifizierte ich mich am Freitag souverän für den 1500 m Final. Gemeinsam mit meinem Trainingsgspändli Chiara Scherrer entschied ich mich für eine Team-Taktik und ein schnelles Rennen. So übernahm ich von Beginn weg das Tempodiktat und wechselte mich mit Chiara bei der Führungsarbeit ab. 400 Meter vor Schluss war nur noch eine Gegnerin an unseren Fersen. Diese blieb allerdings hartnäckig dran, so dass es auf den letzten 100 Metern zu einem spannenden Schlussspurt kam. Mit 4.17.91 min setzte ich mich hauchdünn vor Chiara (4.18.20) durch.

Für uns beide bedeutet die Zeit neue persönliche Bestleistung. Damit scheinen wir beide auf dem richtigen Weg für die EM in Berlin zu sein.

Link zum Video: https://www.ubs-athletics.fans/de/video/sm-zofingen-2018-1500m-frauen-final

Spitzenleichtathletik Luzern

Nach meinem gelungenen Saisoneinstieg in Paris startete ich bei Spitzenleichtathletik in Luzern zu meinem zweiten Hindernisrennen der Saison. Zusammen mit 12 weiteren Steepleläuferinnen wollte ich die perfekten Bedingungen für eine gute Leistung nutzen. Den ersten Kilometer absolvierte ich in 3:09 min und somit genau im Fahrplan. Nach zwei Kilometern liessen dann meine Kräfte nach und ich büsste noch etwas Zeit ein. Die Zeit von 9:40,73 min war im ersten Moment eine Enttäuschung, doch die Technik bei den Hindernissen und beim Wassergraben sowie das Laufgefühl waren besser als in Paris und stimmt mich positiv für die kommenden Trainingswochen. 

Diamond League Paris

Nach einer längeren Laufpause von Mitte April bis Mitte Mai wegen einer Sehnenentzündung am Fuss und einer anschliessenden muskulären Oberschenkelverletzung verlief meine Saison bis jetzt nicht wie geplant. So stand ich nach nur einer Woche ohne Einschränkungen im Training und erst 2 Bahntrainings in Paris an der Startlinie gegen die Weltelite. Das Rennen startete schnell und ich reihte mich hinten im Feld ein. Nach schnellen ersten 1000 Metern zeigte sich aber der Trainingsrückstand und ich konnte das Tempo nicht mehr halten. Das Ziel erreichte ich nach 9:39.89 min auf Rang 10.

Dies ist ein gelungener Saisoneinstieg und die definitive EM Qualifiaktion.

Mit einem Hindernisrennen bei Spitzenleichtathletik Luzern, der Schweizer Meisterschaft über 1500 m und einem 5000 m Lauf in Bellinzona will ich versuchen mich weiter in Form zu bringen.

Frauenlauf Bern

Nach überstandener Verletzung stand ich beim Frauenlauf in Bern erstmals seit der Halbmarathon WM in Valencia wieder an einer Startlinie. Noch 4 Tage vorher hatte ich den geplanten Start beim Diamond League Meeting in Oslo über 3000 m Steeple absagen müssen. Doch für den Start über 5km in der Hauptstadt war ich bereit. Die Rückkehr auf die Wettkampfbühne gelang mir perfekt. Schon kurz nach dem Start bildete ich zusammen mit Nicola Spirig und Krisztina Papp eine Dreier-Spitzengruppe und lief grösstenteils im Windschatten. Nach ca. 3,5 Kilometer drückte ich aufs Gaspedal und konnte mich gleich etwas absetzen. Ich zog bis ins Ziel durch und durfte bei grandioser Stimmung meinen zweiten Sieg in Folge feiern.

Dahinter zeigte auch mein Trainingsgspändli Chiara Scherrer ein tolles Rennen. Nur zwei Tage nach ihrem U23 CH-Rekord und der EM-Limite über 3000 m Steeple erreichte sie den 4. Rang. 

Erstmals in ihrer Karriere muss die Wetziker Steeple-Spezialistin Fabienne Schlumpf auf Alternativtraining setzen. Eine Sehnenentzündung zwingt sie dazu.

 

Es ist eine neue Situation für Fabienne Schlumpf. Und vor allem eine, auf die die Wetzikerin gut hätte verzichten können. Zum ersten Mal überhaupt in ihrer Laufbahn ist die Steeple-Spezialistin verletzt.

Sie kann deswegen vorerst nicht mehr machen, was sie am liebsten tut: rennen.

Eine Sehnenentzündung am rechten Fuss brockte der Olympia-Teilnehmerin von Rio 2016 von ihrem Arzt ein mehrwöchiges Laufverbot ein. Drei Wochen davon hat sie bereits hinter sich.

Mit der Situation abgefunden

Schlumpf gibt zu, dass sie an der Verletzung zu beissen hatte. Mittlerweile hat sie sich mit der Herausforderung, wie sie die Situation nennt, aber abgefunden. «Wenn ich wochenlang mit schlechter Laune rumspaziert wäre, hätte mich das ja auch nicht weiter gebracht.»

Das eine oder andere Mal habe sie sogar schon Spass am Alternativtraining gehabt, das etwa Aquafit und die Arbeit auf dem Ergometer beinhaltet, sagt sie und lacht.  

Vorzeitig ab ins Engadin

Schlumpf blickt längst wieder optimistisch nach vorne, obwohl sie den einst am 26. Mai geplanten Saisonstart in ihrer Paradedisziplin wohl nach hinten verschieben muss. Dass die 27-Jährige Zuversicht verströmt, hat auch damit zu tun, dass sie sagen kann: «Ich habe das Gefühl, die Verletzung verheilt gut.»

Am Montag steht der nächste Termin bei ihrem Sportarzt an. Danach weiss sie genauer, wie sie ihre auf die Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) ausgerichteten Pläne anpassen muss.

Den eigentlich ab Mitte Mai angesetzten Höhenblock im Engadin hat sie vorzeitig angetreten. Erstens, weil sie im Bündnerland eine ideale Betreuung vorfindet, wie sagt. Aber eben auch, «weil es mir zuhause gestunken hat».

Schlumpf wünscht sich, dass in ihrem Trainingsalltag möglichst bald wieder Normalität einzieht. Sie wäre darauf vorbereitet. «Die Laufschuhe habe ich jedenfalls bereits wieder hervorgeholt.» 

(Text: Zürcher Oberländer vom 02.05.2018)

Trainingslager Tenero

Traditionellerweise verbringe ich im April zwei Wochen mit dem Swiss-Athletics Mittel- und Langstreckenkader in Tenero und bereite mich auf die Bahnsaison vor. Die erste Hälfte haben wir bereits geschafft und dabei viele Kilometer zurückgelegt, Hürden überwunden und Gewichte gestemmt. Leider meinte es das Wetter nicht so gut mit uns, doch die Stimmung war trotzdem gut und wir konnten alle Trainings wie geplant umsetzen. In der ersten Woche hatte ich mit Norah und Daisy zwei Weltklasse-Steepleläuferinnen aus Kenia an meiner Seite. Gemeinsam haben wir intensiv an unserer Hindernistechnik gefeilt. Ich freue mich, die beiden später in der Saison auf der Wettkampfbühne wieder zu treffen. 

Hier noch ein kleiner Einblick ins Training. Danke an Diego Menzi für den Film. 

Download
Steepletraining
steeple3#1.mp4
MP3 Audio Datei 38.9 MB

Halbmarathon-WM

Nach einem guten Trainingswinter mit mehreren Trainingslagern stand ich am Samstag in Valencia zum ersten Mal am Start einer WM auf der Strasse. An der Halbmarathon-WM wollte ich mich gegen die Weltbesten behaupten. Dass die Weltbesten am Start waren, merkte man schon bald. Das Tempo war von Beginn weg sehr hoch. Ich ging ein schnelles Tempo mit, denn nach rund 8 Km folgte eine lange Gerade mit starken Gegenwind. Da wollte ich natürlich nicht alleine unterwegs sein. So passierte ich die 5 Km Marke nach schnellen 16.08 min! Bei 10 Km lag ich mit einer Zwischenzeit von 32.51 min immer noch auf Kurs. Ausser mir konnte noch nie eine Schweizerin die 10km auf der Strasse so schnell laufen. Nach rund 13 Km folgten dann die Passagen mit mehr Rückenwind, doch mein Rennen verlief nicht mehr ganz nach Plan. Magenprobleme und ein kurzer Stopp am Strassenrand bremsten mich aus. Dennoch gelang mir mit 1:10.36 Std. eine starke Zeit und mit Rang 16 klassierte ich mich als zweitbeste Europäerin mitten in der Weltspitze. Die Zeit bedeutet zudem ein Schweizerrekord für reine Frauenrennen und Rang 16 ist das beste Ergebnis einer Schweizerin an einer Halbmarathon-WM überhaupt.