Mein Leben als Läuferin

Corrida Bulloise

An der Corrida in Bulle präsentierte sich in den beiden Elitefeldern eine Startliste, wie sie sich wohl nur selten zeigt. Aus Schweizer Sicht war fast alles am Start, was der Laufsport aktuell zu bieten hat. Zusätzlich waren die Eliterennen gespickt mit einigen starken AusländerInnen. 

Nach meinem überraschenden Sieg im letzten Jahr trat ich als Titelverteidigerin an. Das Rennen wurde wie erwartet zum grossen Duell zwischen der Ethiopierin Helen Bekele und mir. Die ersten sechs von zehn Runden liefen wir gemeinsam an der Spitze, bis ich das hohe Tempo nicht mehr mitgehen konnte und abreissen lassen musste. So behielt in diesem Jahr Helen Bekele das bessere Ende für sich und gewann mit 22 Sekunden Vorsprung. Mit dem zweiten Platz darf ich aber mit ihrem Auftakt in den Wettkampfblock zufrieden sein.

Trainingslager Tenero

Wie bereits im letzten Jahr habe ich mich während 10 Tagen in Tenero auf die bevorstehenden Crossläufe vorbereitet. Im Centro Sportivo fanden wir wie immer perfekte Trainingsbedingungen vor. Täglich standen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, welche in dieser coolen Gruppe und mit dem Sonnenschein doppelt Spass machten. 

Highlight der Cross-Saison soll die EM Mitte Dezember in Samorin werden, wo ich meinen 8. Platz vom Vorjahr bestätigen möchte. Bis jetzt bin ich mit meinem Trainingsstand voll zufrieden und freue mich auf die ersten Wettkämpfe. 

Zurück im Trainingsalltag

Die dreiwöchige Trainingspause nach Weltklasse Zürich habe ich in vollen Zügen genossen. Die Laufschuhe und Laufkleider blieben grösstenteils im Schrank und ich hatte für alles Zeit, was während der Saison etwas zu kurz kam. So habe ich etwas mehr im Büro der Stadtverwaltung Wetzikon gearbeitet und nebenbei meine sozialen Kontakte gepflegt. 

Ohne die grosszügige Unterstützung meiner Sponsoren und Supportern hätte ich niemals eine so erfolgreiche Saison erleben dürfen. Ein GROSSES DANKESCHÖN für die grosszügige Unterstützung! Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass mich neu die Elliscasis Immobilien GmbH auf dem Weg an die Olympischen Spiele in Tokio unterstützen wird. 

Als Einstieg in den Trainingsalltag war ich wie im letzten Jahr in St. Moritz und sammelte fleissig Kilometer zu Fuss, mit dem Bike oder im Schwimmbad. Der erste Muskelkater ist schon wieder weg und es fühlt sich jeden Tag etwas mehr wie laufen an. Das Training macht richtig Spass und der Herbst ist die perfekte Jahreszeit für schöne Dauerläufe im Wald. 

Weltklasse Zürich

Als einzige Schweizerin hatte ich mich für eine der Finaldisziplinen der Diamond League bei Weltklasse Zürich qualifiziert und traf auf die absolute Weltklasse. Aus den Top 10 der Weltmeisterschaft in London fehlten nur 2 Gegnerinnen und ich kam zu meiner persönlichen WM-Revanche. So startete das Rennen horrend schnell. Ich wollte das Risiko eingehen und selber ebenfalls ein hohes Tempo anschlagen. Das gelang mir gut und die 1000 m Marke passierte ich nach 3:03 min, so schnell wie noch nie. Auch nach 2 km und 6:11.5 min war ich über 3 Sekunden schneller als bei meinem Schweizer Rekord. Auf den letzten 2 Runden ging es dann nicht mehr so schnell. Die Beine wurden schwer und auch die Hindernisse wollten nicht mehr wie gewohnt. Ich kämpfte mich durch und wurde in 9:28.80 min Zehnte. Damit beende ich eine unglaubliche Saison mit der viertbesten Zeit meiner Karriere. 

Weltmeisterschaft London

Nach 2013 und 2015 habe ich mich zum dritten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert und reiste voller Selbstvertrauen in die britische Hauptstadt. Die Qualifikation für den WM Final der besten 15 war mein grosses Saisonziel und ich habe mich gut darauf vorbereitet. Die ersten drei pro Serie plus die sechs Zeitschnellsten qualifizieren sich für den Final. Ich lief in der dritten Serie, fühlte mich zu Beginn gut und lief im vorderen Mittelfeld mit. Als dann nach Rennhälfte das Tempo erhöht wurde konnte ich nicht reagieren und die Beine wurden schwer. Als gesamt 16. verpasste ich den Final hauchdünn. Die Enttäuschung ist riesig und ich bin traurig, dass ich im wichtigsten Rennen der Saison meine Leistung nicht abrufen konnte. Was genau der Grund für das Scheitern war ist schwierig zu sagen, ich werde das Rennen sicher zusammen mit Michi genau analysieren und versuchen, es nächstes Mal besser zu machen.

Jetzt schaue ich nach vorne und freue mich auf meinen Aufritt vor Heimpublikum bei Weltklasse Zürich. 

Schweizermeisterschaft Zürich

Zum ersten Mal startete ich an den Schweizermeisterschaften über 800m. Direkt aus dem Höhentrainingslager in St. Moritz angereist wollte ich einen Temporeiz setzen. Im Vorlauf wurde ich zu Beginn vom Tempo schon ein wenig überrascht und erlitt einen kleinen Temposchock. Trotzdem gewann ich meinen Vorlauf souverän und qualifizierte mich somit direkt für den Final. 

Das Finale war wie so oft von Taktik geprägt. Zu Beginn hielt ich mich zu hinterst im Feld auf und arbeitete mich auf der zweiten Runde langsam nach vorne. Auf der Zielgerade packte ich meinen Schlussspurt aus, warf mich ins Ziel und wusste zuerst nicht, ob ich zweite, dritte oder vierte bin. Nach einigen Minuten war dann das Resultat auf dem Screen und zeitgleich mit den beiden Drittplatzierten sicherte ich mir die Silbermedaille. 

Zufrieden mit dem Resultat und einem gelungenem Tempotest im Gepäck fuhr ich nach dem Rennen wieder nach St. Moritz für die letzten WM-Vorbereitungen.

 

Das Video zu meinem Lauf:

https://video.ubs-athletics.fans/de/video/800m-wom-final?v=BG_ww-sW6PynkE88NLkVRG

Spitzenleichtathletik Luzern

Direkt aus dem Höhentrainingslager in St. Moritz machte ich einen Abstecher nach Luzern, um über 3000 m gegen starke Konkurrenz zu laufen. Das Rennen war sehr unruhig mit Rundenzeiten zwischen 69 und 75 Sekunden. Die zwei Kilometer-Marke passierte ich nach etwas mehr als 6 Minuten. Der letze Kilometer war dann der schnellste und mit 8:58,63 Minuten blieb ich erstmals unter der 9-Minuten-Grenze. 

Am nächsten Tag reiste ich direkt wieder zurück in die Höhe und bereite mich hier in den kommenden Wochen intensiv auf die WM in London vor. 

Diamond League Paris

In Paris kam ich zum zweiten Auftritt des Jahres auf Stufe der Diamond League und zum zweiten Mal gelang mir eine Glanzleistung. Im Gegensatz zum Rennen in Oslo war in Paris die gesamte Weltelite am Start, daher war eine Wiederholung meines dritten Ranges von Beginn weg ausgeschlossen. Als Nummer 12 auf der Entry List wäre eine Top 10 Klassierung schon sehr gut.

Wie abgesprochen hielt ich mich zuerst hinten im Feld auf und gab dann auf dem zweiten Kilometer Gas. Mein Plan ging ausgezeichnet auf und die Durchgangszeiten lagen im Bereich meines Schweizer Rekordes. Im Ziel lag ich mit 9:22.01 min nur 36 Hundertstel über meiner Bestzeit, wurde hervorragende achte und das in einem Feld, das soviel Weltklasse bot wie noch nie ein Rennen über 3000 m Steeple.

Ein kurzer und intensiver Wettkampfblock ist nun abgeschlossen. Schon bald reise ich für 3.5 Wochen in die Höhe nach St. Moritz, um mich auf die WM in London vorzubereiten.

Team EM Vaasa

Zum ersten Mal in der Geschichte steigt die Schweiz an der Team EM in die Super League auf, welche die Top 12 Nationen Europas umfasst - wahnsinn!

Als einzige stand ich in zwei Einzeldisziplinen im Einsatz. Am Samstag ging ich über 3000 m Steeple und am Sonntag über 5000 m auf Punktejagd. In beiden Disziplinen konnte ich einen überzeugenden Sieg feiern und so insgesamt 24 Punkte für das Schweizer Team sammeln. Während es am Samstag im Steeple-Rennen noch schnelle letzte 1000 m waren, die zum Sieg führten, stürmte ich über 5000 m mit einem fulminanten Schlussspurt zum Punktemaximum.

In einem packenden Wettkampf entschieden am Schluss wenige Punkte über die Podestplätze und damit den Aufstieg in die höchste Liga. Schweden vor Finnland und der Schweiz lautete am Schluss das Klassement. Die Türkei lag mit nur 3 Punkten Rückstand auf Rang vier. 

 

Das Video zu meinem 5000 m Lauf:

https://video.ubs-athletics.fans/de/video/vaasa-fin-5000m-frauen-sonntag-schlumpf?v=5r4BGGUKW1UuY69TCQr5BE